Estland

Vorbemerkung und Hinreise

Wir sind mehr oder weniger zufällig auf Tallinn als Reiseziel gekommen. Einerseits wollten wir schon seit Längerem mal die baltischen Staaten (Estland, Litauen, Lettland) besuchen, waren auf der anderen Seite zwischen den drei Ländern aber nicht festgelegt. Unsere Wahl auf Tallinn/Estland war maßgeblich davon beeinflusst, dass wir die Reise als Meilenschnäppchen buchen wollen. Haben also immer monatlich beobachtet, ob eine der Zieldestinationen in der Auswahl zu einem für uns passenden Zeitraum dabei ist und so kamen wir nach Tallinn. 😉 Und aufgrund der geografischen Nähe konnten wir sogar noch die finnische Hauptstadt Helsinki in den Trip einbauen, mehr dazu später. 😉

Durch unser Meilenguthaben sehr bequem und komplett ohne einen einzigen Euro an Kosten für den Flug mit Lufthansa Business Class Prämienflügen!!! (Du willst auch wissen wie das geht? Easy, auch ohne Vielflieger zu sein, zahlreiche Möglichkeiten zum Sammeln der notwenigen Meilen ergeben sich quasi automatisch aus dem Alltag mit überschaubarem Aufwand!). 

Einziger Nachteil: wir hatten in dem Fall keine Direktverbindung von unserer Homebase München nach Tallinn, sondern einen Umstieg in Frankfurt/Main, dem zweiten großen Lufthansa-Hub.

Der Trip startet für uns dennoch ganz entspannt am Flughafen München (modernes T2) - bereits an der Security machte sich der erste sehr komfortable Vorteil für uns bemerkbar. Durch die Priority Line (quasi menschenleer) ging es für uns mehr als zügig durch die Sicherheitskontrolle, ohne Anstehen. 

 

Weiter dann in die Lufthansa Senator Lounge, ebenso kostenloser Zutritt – mit einem schönen Frühstück dort also vor dem Flug ein sehr angenehmer Start in den Tag morgens. 


 

Ein kleiner Einschub für Aviation-Fans: in Frankfurt haben wir dann nach unserer Zwischenlandung tatsächlich 3 (!) Boeing 747-Jumbos gesehen, die Lufthansa alle vom Hub in FFM aus betreibt - cool, gibt bei uns in München nicht so oft. Dafür seit 2023 wieder deutlich mehr Airbus A380, u.a. von Lufthansa und natürlich Emirates. 

Auch witzig: unser Weiterflug nach Tallinn fand im identischen Flugzeug am gleichen Gate statt, trotzdem mussten wir kurz aussteigen und neu borden. Hatte ich so auch noch nie, ganz lustig und spart in jedem Fall jeglichen Stress beim Anschlussflug unter Umständen erst durch den halben Airport zum nächsten Gate zu laufen oder dieses erst suchen zu müssen. 😉 

Anflug auf Tallinn 

Im Anflug auf Tallinn waren wir sehr gespannt, ob das ähnlich schön und spektakulär werden würde, wie vor wenigen Jahren bei der Landung in Stockholm (Schweden). Ganz so faszinierend war es dann nicht, die Vegetation „von oben“ schon eher mitteleuropäisch (d.h. „normale“ Laub-/Mischwälder und weitläufige Felder) und weniger skandinavisch. Dennoch wirkt die Landschaft sehr vital und eher unberührt. 

Für uns ging es dann direkt mit dem Uber (super günstig!) vom Flughafen weiter zum Hafen von Tallinn, da wir direkt am Nachmittag weiter mit der Fähre nach Helsinki gefahren sind, um dort für 2 Tage die finnische Hauptstadt anzusehen, bevor es dann zurück nach Estland ging. Auf der Fahrt haben wir aber schon einen sehr guten, ersten Eindruck von Tallinn bekommen: viele moderne Neubauten, Wohnungen und super sauber. 

Nach dem kleinen Ausflug nach Helsinki (siehe hier) ging es dann los für uns in der estnischen Hauptstadt und unserer ersten Erkundungstour des Baltikums!

Tallinn

Der estnischen Hauptstadt würde ich absolut das Prädikat „Hidden Champion“ verleihen. Unter dem Motto „Moderne trifft Historie“ hat uns diese kleine Stadt im Baltikum sofort fasziniert und ist es unserer Meinung nach wert, viel öfter genannt zu geworden als schönes Ziel für eine Ausflug. 

Oft begegneten uns in der Stadt neben typischen Souvenir-Shops auch Läden mit der Aufschrift „Baltic Amber“ - erinnerte uns stark an Danzig (Polen, siehe hier), wo dieser Art Schmuck auch sehr weit verbreitet ist. Logisch: Bernstein war aus der Historie eine wertvolle Handelsware und die Ostseeregion mit reichen Vorkommen gesegnet.



 

Historische Altstadt 

Prägend für das Stadtbild ist in jedem Fall die historische Stadtmauer. 

Sehr gut sichtbar ist diese bei einem gemütlichen Spaziergang durch die schöne Altstadt. Es konnten rund 70% der alten Stadtmauer erhalten werden konnten, was zu einer architektonisch sehr spannenden Komposition zwischen Geschichte und Moderne führt, die Tallinn meiner Ansicht nach einen ganz eigenen, schönen Charme verleiht. Die historische Stadtmauer, deren Tore und Befestigungsanlagen samt Kanonentürmen waren übrigens zeitweise eine der leistungsfähigsten Verteidigungsanlagen Nordeuropas.

Das als „Küstentor“ bekannte Stadttor, so genannt wegen seiner Ausrichtung zum Hafen, war dabei das wichtigste Tor. Der größte Kanonenturm wurde hingegen bekannt unter der Bezeichnung „Fette Margarete“ - primär aufgrund der 4,5m dicken Mauern. 

Super interessant ist auch der Rathausplatz, der nicht nur ein schönes historisches Zentrum bildet, sondern auch eine ganze Reihe von Sitzgelegenheiten bietet (u.a. bequeme Sitzkissen), an denen von der Stadt unter anderem Gesellschafts-/Brettspiele, eine Tischtennisplatte und ein paar Spielsachen speziell für Kinder zur Verfügung gestellt werden, was von den Leuten an einem schönen sonnigen Nachmittag auch rege genutzt wurde. Coole Idee, die wir direkt im Stadtzentrum so auch noch nicht gesehen haben.

Ein Teil der historischen Altstadt von Tallinn liegt auf dem Domberg („Toompea“) der rund 50 Meter hoch ist. Diese Oberstadt war früher das exklusive Stadtviertel der Adeligen, die in hervorgehobener Lage oberhalb der „normalen“ Bevölkerung lebten. Die Altstadt war aufgrund ihrer Lage auch zur Verteidigung sehr gut befestigt, der erstmalige Bau der Festung wurde durch die Dänen Anfang des 13. Jahrhunderts begonnen, deutsche Kreuzritter setzen den Ausbau dann später weiter fort. Noch heute fungiert die Burg als Parlamentssitz Estlands.

Bei der Erkundung der Altstadt zu Fuß sind uns neben den historischen Gebäuden weitere spannende Dinge aufgefallen. Tallinn ist direkt im Zentrum komplett autofrei, der Verkehr wird in einem Ring um die Altstadt herumgeführt. Außerdem ist Tallinn (neben dem Domberg) auch recht hügelig und verfügt über zahlreiche kleine und enge Gassen, die erkundet werden können. Regelmäßig haben wir so schöne, malerische Fotomotive entdecken können.  

Die nächste kleine Entdeckung waren Ladestationen für E-Scooter, die wir so aus der Heimat auch nicht kennen, ganz smart. Sonst habe ich es überall nur so erlebt, dass die Scooter mit leerem oder niedrigen Akkustand zum Aufladen eingesammelt werden müssen. 

Ein weiteres sehr schönes und das Stadtbild von Tallinn prägende Gebäude ist auch die Aleksander Nevski Kathedrale, gelegen ebenso auf dem Domberg nahe dem Parlamentsgebäude. Diese russisch-orthodoxe Kirche sticht durch ihre stiltypische Architektur mit ihren fünf Zwiebeltürmen hervor. 

Tallinn verfügt über einige Aussichtspunkte von der Oberstadt, die ihr leicht zu Fuß erreichen könnt. Andere sind hingegen (leider) kostenpflichtig, z.B. Kirchtürme. Ebenso kostenpflichtig ist der Stadtmauer-Rundweg, zu dem ihr über das Museum „Kiek in de Kök“ Zutritt erlangt (Normalpreis 12 €, reduziert für Studenten/Senioren 6€, Stand 09/2023). Allerdings ist im Eintrittspreis dann neben den mittelalterlichen Mauerwerken und Türmen auch eine Besichtigung des Kanonenturms, sowie eine Führung durch unterirdische Tunnelsysteme enthalten. Bei Interesse an einzelnen Teilabschnitten der Besichtigung gibt es entsprechend auf günstigere Tickets (enthalten bspw. auch in der *Tallinn-Card, der auch einige weitere Attraktionen inkludiert).
Tipp: sonntags ist der Eintritt zum Museum kostenfrei, allerdings muss vorher reserviert werden (siehe Homepage).

 

Ebenso eine schöne Aussicht direkt vom Stadtzentrum aus bietet der Turm des Rathauses, der 64m hoch ist und in etwa mittig (34m) eine große Sturmglocke als Attraktion bietet, die nach 115 stufen in einer Wendeltreppe erreicht werden. Der Aufstieg ist jedoch ebenso nicht kostenfrei (4€, reduziert 2€, Stand 09/2023), jedoch bereits enthalten beim Kauf der *Tallinn-Card. Weitere Hintergründe und Details zum Turm und dessen Geschichte findet ihr bei Interesse hier.  

Erwähnenswert sind als touristische Attraktion außerdem die KGB-Gefängniszellen (ebenso im Umfang der *Tallinn-Card) und der außerhalb der Stadt liegt der Fernsehturm, mit seinem 314 Metern Höhe und seiner Aussichtsplattform auch eine beliebte Attraktion von Tallinn (Tickets mit Schnelleinlass nur für den Turm gibt’s *hier). Bietet bestimmt eine tolle Aussicht, genau wie das Skywheel von Tallinn (*Link), dem Riesenrad der Stadt. 

Weitere Stadtteile (Rotermann, Kadriorg, Vorort Pirita

Super cool ist auch das sehr moderne Rotermann-Viertel, hier war auch unsere Unterkunft während unseres Tallinn-Aufenthalts, das Metropol-Hotel (das Partner-Hotel Metropol-Spa befindet sich direkt angrenzend im Nebengebäude und ist über einen Durchgang bequem erreichbar). Geräumige Zimmer, freundliches Personal und ein schönes Frühstücksbuffet haben uns beim Check-In bzw. jeweils am Morgen empfangen. Ganz cool war auch das Special-Offer des Hotel-Restaurants, das wir auch genutzt haben. Eine (große) Pizza und zwei Aperol Sprizz gab es hier zum Sonderpreis, wir hatten eine ganz kreative Sorte („Pollo i pera“ – Hühnchen, Birne, Gorgonzola) – hat super geschmeckt. 

Das Hotel können wir in jedem Fall empfehlen für einen Trip nach Tallinn, haben sehr gute Erfahrung gemacht. Die Unterkunft findet ihr direkt hier verlinkt (*Metropol Hotel). 


Das Stadtbild Tallinns ist durchaus auch außerhalb des unmittelbaren Zentrums sehr interessant. Im Viertel Kadriorg beispielsweise, außerhalb des historischen Kerns, ist die Silhouette geprägt von vielen kleinen, alten Häuser (oft noch aus Holz), die ursprünglich erbaut wurden für die Dienerschaft (Köche, etc.), die im Schloss der russischen Zaren vor den Toren der Stadt gearbeitet haben. Wir sind hier nur mit dem Sightseeing-Bus durchgefahren, architektonisch aber bereits im Vorbeifahren sehr schön. Für alle, die mehr Zeit oder Interesse an dieser Epoche mitbringen, empfiehlt sich ein Spaziergang durch das Viertel und die zugehörigen Parkanlagen. 

Rotermann-Viertel

Pizza "Pollo e pera"

Hotel Metropol

 

Ein kleiner „Bau-Boost“, der heute noch sichtbar ist, wurde durch die Sommer-Olympia 1980  ausgelöst, bei der Tallinn zum Austragungsort für die Regatta- und Segelwettbewerbe gedient hat. Unter anderem das Hotel Olympia, der Fernsehturm, der neue Flughafen, sowie etliche weitere Infrastruktur-Projekte wurden zu diesem Zwecke geplant und errichtet. 

Last but not least sei in diesem Abschnitt der Vorort Pirita erwähnt. Dort findet sich eine Klosterruine, ein 2km langer Sandstrand, ein großer Yachtclub/Bootsanleger an gleichnamigem Fluss und nicht zuletzt das olympische Segelsportzentrum, das maßgeblich zum Ausbau des Ortes beigetragen hat. Auch hier waren wir während der Tour mit dem *Hop-On-Hop-Off-Bus, der eine zentrale Innenstadt-Route und eine weitläufigere Route umfasst, auf der auch Pirita lag. 

 

Kulinarische Einblicke  

Spannend finden wir beim Besuch „neuer“ Länder auch immer den Einblick in die landestypische Küche. Als traditionelles estnisches Essen finden sich u.a. Brotsuppe, aber auch Fleischgerichte von (zumindest aus deutscher Sicht) eher exotischen Tieren wie Bär oder Elch, diese sind in der Region aber üblich, da dort deren natürliche Habitate sind (haben wir auch tatsächlich beides probiert, direkt am Rathausplatz im Restaurant ULE Estonia). 

Wer es noch etwas traditioneller mag, für den ist evtl. das Restaurant Olde Hansa spannend, das im mittelalterlichen Stil gehalten ist - inkl. entsprechender Kleidung des Personals und einer ganzen Reihe von Reliquien im und um das Restaurant. 

Ganz häufig haben wir die Biermarke „Saku“ gesehen, ehrlicherweise war fast jeder Schirm vor einem Restaurant von dieser Brauerei. Haben wir auch selbst probiert, u.a. das Honey Beer und ein dunkles Bier, jeweils ganz lecker! Saku ist die älteste nationale Brauerei und der bedeutendste Getränkehersteller in Estland.  

Wer hier tiefer einsteigen möchte in die landestypische Kulinarik, kann auch eine *spezielle Tour buchen, die u.a. jeweils drei lokale Gerichte und Getränke beinhaltet. 

Sightseeing: Hop-On-Hop-off-Bustour 

Für uns ging es am zweiten Tag dann richtig los mit dem schon erwähnten City-Sightseeing-Bus, gebucht über Getyourguide (*Link). In Tallinn könnt ihr hier auch wählen zwischen zwei Anbietern, wir haben uns in dem Fall für „Citysightseeing“ (roter Bus mit gelb umrandetem Schriftzug) entschieden und konnten in unserem 24h-Ticket (für 30€/p.P.) mit zwei Linien fahren: die rote Linie rund um die historische Altstadt und dann die grüne Linie, die auch die Randbezirke und vereinzelte Vororte von Talinn anfährt, u.a. zu den Ruinen eines alten Klosters, den ehemaligen, olympischen Regatta-Anlagen und dem eindrucksvollen Festival-Gelände, das neben einer imposanten Bühne auch einen direkten Meerblick zu bieten hat. Stell ich mir ziemlich cool vor bei einer Veranstaltung das Ambiente. Während wir da waren haben wir u.a. Werbung für das Tallinn Food Truck Festival gesehen, das auf dem Gelände stattfindet, genauso wie diverse Musik-Acts weltbekannter Starts (2023 traten hier bspw. bereits Tiësto, Depeche Mode, The Weeknd oder die Scorpions auf).

Geschichte

Zur Geschichte von Tallinn an dieser Stelle nur ein kurzer Abriss, war uns selbst bisher auch nicht bekannt - vermutlich, weil die kleinen, baltischen Staaten bei vielen so etwas „unter dem Radar“ sein dürften. Sehr interessant auf jeden Fall, durchaus auch mit bewegter Vergangenheit diese kleine Nation! #travellingeducates 

  • Erste Siedlungen entstanden bereits vor 3.500 Jahren (!). 
  • Im Jahr 1219 waren dänische Kreuzritter die ersten „Eindringlinge“, der Ursprung des Namens Tallinn wird annahmegemäß auf deren Sprache/Bezeichnung zurückgeführt.
  • 1918 wurde erstmals die Unabhängigkeit erklärt.
  • Zwischen 1939-91 war Estland zuerst deutsch, danach durch die Sowjetunion okkupiert, wobei die Altstadt trotz Kriegshandlungen Großteils erhalten geblieben ist, an den historische Gebäuden gut zu erkennen. 
  • Die Handelswege nach Russland, u.a. für die Tabakindustrie, spielten wichtige Rolle bei Entwicklung der Stadt.
  • Tallinn vs. Reval: vor dem heutigen Namen trug die Stadt eine ganze Zeit lang auch den Namen „Reval“ - einer Legende nach von einem dänischen König so benannt, der bei einem Besuch der Stadt ein wunderschönes Reh gesehen hat. Beim Versuch, dieses einzufangen stürzte es laut der Erzählung eine Klippe herunter, wodurch der Name „Reval“ (abgeleitet von Rehfall) entstand. 
  • Umbenannt in den heutigen Namen wurde Tallinn dann im 19.Jahrhundert.
  • Ab 1980er Jahre begann ein neuer Kampf nach Unabhängigkeit Estlands, die dann 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion wiedererlangt wurde und bis heute Bestand hat.
  • Estland ist seit 2004 EU-Mitglied und ebenso Teil der Verteidigungsallianz NATO. Der Euro wird seit dem Jahr 2011 als Zahlungsmittel verwendet. Die Nationalflagge trägt die Farben Blau-Schwarz-Weiß (in Querstreifen).


Grundsätzlich wurden in der Historie Estlands diverse Gebietsstreitigkeiten geführt, die diverse Einflüsse hinterlassen haben. So gab es u.a. Kriege zwischen Russland, Dänemark, Schweden und Polen, in denen Estland ein umkämpftes Gebiet war (u.a. aufgrund der hohen Bedeutung als Ostseehafen) - auch im großen nordischen Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum (zwischen Schweden und Russland, 1700-1721) war das heutige Staatsgebiet Estlands erneut umkämpft. 

Kultur, Land und Leute - Einflüsse auf Tallinn/Estland 

Ein interessantes „Erbe“ aus einer früheren Besatzungszeit ist, dass als Verwaltungssprache deutsch auch unter dem schwedischen König, dem russisches Zarenreich in Teilen fortgeführt wurde und Tallinn weiterhin Privilegien einer Handels-Hansestadt nach dem Vorbild Lübeck genießen durfte. 

Das ist tatsächlich auch heute schon noch bemerkbar: neben dem russischen zeigt sich auch vereinzelt der deutsche Einfluss, z.B. sprachlich erkennbar bei manchen Wörtern wie „Politsei“, „Elevant“, oder „Gümnaasium“ - sieht ganz lustig aus teilweise, finde ich 😉  


Die Entwicklung von Tallinn zu einer florierenden Handelsstadt wurde vor allem auch begünstigt durch die natürliche Lage des Hafens, der windgeschützt durch umliegende Halbinseln und damit nahezu das ganze Jahr über eisfrei ist. Neben der hohen Bedeutung für den Handel, dient der Hafen mittlerweile auch als wichtiges Element Tallinns für die Touristenströme - und anderem mit Verbindungen nach Finnland, Schweden, Dänemark oder Russlands, sowie als Anleger für Kreuzfahrtschiffe auf den Routen durch die Ost- und Nordsee. So wurde der Hafen konstant erweitert und um moderne Terminals ergänzt. Meine ausführliche Beschreibung zur hier startenden super coolen Fährverbindung mit „Tallink“ zwischen Tallinn und Helsinki findet ihr im Blog-Artikel zu Helsinki.


Wir haben während unseres Aufenthalts in Tallinn vor allem den sehr entspannten „Vibe“ der Stadt bemerkt, hat uns gut gefallen. Stand 2023 wohnen ca. 1,4 Mio. Einwohner in Estland, ein gewichtiger Anteil davon in der Hauptstadt Tallinn (400.000), die damit nicht wirklich groß ist, was sicherlich zu dem speziellen Charme beiträgt.


Die Landessprache Estnisch sprechen tatsächlich aber nur rund 1,0 Mio. Menschen, Estnisch ist eine sogenannte „finurukische“ Sprache. Zu diesem sehr speziellen Sprachstamm zählen außerdem Finnisch und Ungarisch. Die estnische Sprache verfügt über 14 Fälle (!), ist sehr vokallastig und klingt daher klingt sehr musikalisch/melodisch - möglicherweise ist es daher kein Zufall, dass die Musik grundsätzlich eine große kulturelle Bedeutung in Estland hat. Die Sprache generell hat offenbar auch viele Wörter mit Doppelvokalen (z.B. gesehen: Büroo, Gümnaasium, Menüü).

Neben Estnisch gibt es keine weitere, offizielle Amtssprache, aufgrund der historischen Verflechtungen und der immer noch nennenswerten russischen Minderheit, die in Estland lebt, sprechen Teile der Bevölkerung jedoch auch Russisch, zudem werden Deutsch oder Finnisch in gewisser Verbreitung verstanden.


In Tallinn fährt seit 1888 eine Straßenbahn zunächst gezogen mit Pferden, dann in der weiteren Zeitabfolge mit einer Dampfmaschine, einem Verbrennungsmotor und seit 1931 als Elektrozug. 

Spannend auch eine Entdeckung, die wir an der Supermarktkasse gemacht haben. Bei allen Produkten, die eine Plastikverpackung haben, wurden jeweils 0,10€ zusätzlich zum eigentlichen Preis berechnet als Zusatzabgabe (höchstwahrscheinlich aus Motiven des Umweltschutzes, habe ich aber nicht im Detail recherchiert bisher). Jedenfalls ein interessanter Ansatz, kenne ich aus Deutschland nur für Plastiktüten, nicht jedoch umfänglich für jede Form der plastikhaltigen Verpackung. Wirkt konsequenter intuitiv, wenn man darüber nachdenkt. 

 

Rückreise 

Auch auf unserem Heimweg haben wir wieder 2x einen Stop in den Flughafen-Lounges gemacht, um uns unsere Wartezeit in angenehmer, ruhiger Atmosphäre zu gestalten und kostenfreie Verpflegung zu genießen. Zunächst in Tallinn in die Airport Business Lounge, Zugang regulär mit Priority Pass, in diesem Fall auch automatisch berechtigt aufgrund Business Class Ticket) und dann in Frankfurt in die Lufthansa Senator Lounge (nur für Business-Class), eine der bisher schönsten und komfortabelsten Lounges, die wir besucht haben – außerdem mit einer großen kulinarischen Auswahl. 


Das ist ein Teil des Reisens, den wir an Airport wirklich nicht mehr missen wollen - gar kein Vergleich zu überfüllten, lauten Wartebereichen direkt an Gates und v.a. keinerlei Abhängigkeit mehr vom oft überschaubaren und völlig überteuerten Essens-Angebot. Und das Beste: der Zugang ist über die Amex-Platinum und den inbegriffenen Priority Pass ganz einfach zu erhalten!  


Leider hatte unser Flug von Tallinn nach Frankfurt aber Verspätung, weshalb wir für unser zweites Flugsegment automatisch umgebucht wurden - gleicher Flug Frankfurt-München eine Stunde später. Zum Glück wird die Strecke in hoher Frequenz bedient. Und durch die außerplanmäßig „gewonnene“ Zeit konnten wir etwas mehr Zeit in der Senator Lounge verbringen. 😉
#travellingeducates - auch in der Weise, als dass man lernt gelassener mit Unregelmäßigkeiten auf Reisen umzugehen, die ohnehin völlig außerhalb des eigenen Einflussbereiches stehen. Weniger aufregen über solche Dinge, eine wertvolle Ergänzung des eigenen Mindsets und eine große Hilfe zur Entspannung, wenn es gelingt - klar, das ist nicht immer leicht. 😉 

 

Fazit: 

Tallinn eignet sich für einen Wochenendtrip auch hervorragend in einer Kombination mit Helsinki - beide Städte sind nicht so groß und lassen sich daher sehr gemütlich erkunden (vieles auch bequem zu Fuß erreichbar). Aufgrund der komfortablen Fähr-Verbindung zudem perfekt miteinander verbunden (siehe hier verlinkt im Artikel zu Helsinki, bzw. auch direkt bei *GetYourGuide). Haben wir genau so gemacht und waren sehr zufrieden mit unserer Auswahl. 

Ebenfalls nicht weit entfernt sind natürlich auch die beiden anderen baltischen Staaten Lettland und Litauen mit ihren Hauptstädten Riga bzw. Vilnius, sowie St. Petersburg in Russland und die schwedische Großstadt Stockholm. Bis auf Stockholm (Review folgt bald ebenso hier online) stehen die genannten Städte auch noch auf unserer Bucketlist 😉
Kann ich also (noch) nichts dazu sagen und freue mich auf EURE Meinungen/Tipps auf Instagram